Mittwoch, 2. Mai 2007
klausurbereich
letzte woche hat r. auf die wohnzimmertür ein schild gemacht, auf dem zu lesen ist:
    Klausurbereich der Hausgemeinschaft
vielleicht hätte auch gereicht, da stehen zu haben:
    privat
schliesslich ist r. gestern ausgezogen und fängt im kommenden semester an zu studieren. also besteht die „hausgemeinschaft“ derzeit nur aus einer person. was aus dem stundengebet, das wir als hausgemeinschaft – neben den gebetszeiten des (ansverus-)hauses – noch intern für uns hatten, weiss ich noch nicht. wie geht das noch mal: alleine beten? ich ahne, dass diese situation sich der wohl „normalen“ situation vieler menschen annähert. allerdings haben sie wohl keinen „klausurbereich“. und der keller ist sicherlich nicht als krypta, als unterirdische kapelle ausgebaut ...

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Dienstag, 27. Februar 2007
Schon bricht des Tages Glanz hervor (Hymnus)
Ambrosianischer Lobgesang

Schon bricht des Tages Glanz hervor.
Voll Demut fleht zu Gott empor,
dass, was auch diesen Tag geschieht,
vor allem Unheil er behüt‘.

Er halte uns die Lippen rein,
kein Hader darf uns heut entzwein.
Er mache unser Auge frei
und zeige, was da eitel sei.

Ringt um des Herzens Lauterkeit!
Legt ab des Herzens Härtigkeit!
Des Fleisches Hoffart beugt und brecht!
Und Trank und Speise brauchet recht.

Auf dass, wenn dann die Sonne sinkt
und Dunkel wieder uns umringt,
wir ledig aller Last der Welt
lobsingen dem im Sternenzelt.

Lob dem, der unser Vater ist,
und seinem Sohne Jesus Christ,
dem Geist auch, der uns Trost verleiht,
vordem, jetzt und in Ewigkeit.

Nach dem altkirchlichen Hymnus „Jam lucis orto sidere“ von Ambrosius, 333-397.

Aus: Jochen Klepper, Kyrie. Geistliche Lieder, Berlin (Eckart-Verlag) 1965 (14. Auflage), S. 7.

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Mittwoch, 7. Februar 2007
ab und zu kann es passieren, dass die regelmässigkeiten, die wir uns für geistliche vollzüge, etwa eine tägliche gebetszeit oder dergleichen, vorgenommen haben, durch das konkrete leben aus ihrem rhythmus geschmissen werden. man muss dann ganz einfach dort weiter machen, wo man aufgehört hat. wer sich über so ein „aus der bahn geschmissen sein“ ärgert, zeigt nur, dass seine motive für eine geistliche disziplin, zu hinterfragen sind. jeden tag muss man sich neu für das konkrete leben und für ein geistliches leben entscheiden.

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Samstag, 3. Februar 2007
geliehene worte gewürzt mit eigenen
heute ist der gedenktag des hl. ansgar (865 gest.), der erste bischof hier im norden. als benediktinermönch bewegte sich ansgar auch im universum der psalmen, denen er – so die überlieferung – selbst verfasste gebete anhängte. diese sammlung von psalmgebeten (psalmoration oder psalmkollekte) ist auf uns unter dem namen „pigmenta“, d.h. „würze“ gekommen, weil sie den geschmack der psalmen aufnehmen sollten: die eigenen neuen worte, die sich formen, geben den geliehenen alten worten ihre frische.

zu den pigmenta haben a. und ich letztes jahr im rahmen des „psalmen-hauses“, einer art tag der offenen tür hier bei uns, einen workshop gemacht. hier das skript: pigmenta-workshop (pdf, 77 KB)

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Mittwoch, 10. Januar 2007
beständiges
ganz im sinne des „weniger“ und mit dem bedürfnis nach konzentration geht einher das zurückgreifen auf konstantes: nicht immer neues und vieles wollen, sondern das ausharren und dranbleiben gilt. wir, die hausgemeinschaft im ansverus-haus, geben uns wieder in den rhythmus unserer psalmgebete hinein. wir verwenden immer noch den zyklus (pdf, 49 KB) , eine eigene psalmenreihe, von der in diesem blog schon einmal die rede war. zum ausdrucken gibt es auch die zyklus - tabelle (pdf, 34 KB) in klein, die man sich in seine bibel reinlegen kann.

derzeit sind gerade exerzitien für pastorinnen und pastoren im haus. im singen begabte leute sind dabei, und wenn wir in den gebetszeiten lieder aus taizé mehrstimmig singen ist das wunderschön. das bereichert unser gebetsleben, wo wir nicht oft mehrstimmig singen.

in der komplet (nachtgebet) mit den pastorinnen nehmen wir uns auch zeit für das sogenannte „gebet der liebenden aufmerksamkeit“, einer übung aus der tradition der ignatianischen spiritualität. es ist eine art betender tagesrückblick. wen das interessiert: man kann es podcast-angeleitet auf der seite pray as you go (unter „at the end of the day“) einmal ausprobieren. man findet den ablauf auch auf der seite offene-kirchen.info als pdf-datei zum runterladen und ausdrucken.

pray as you go hilft mir gerade auch, meine zeit der persönlichen schriftmeditation zu bestreiten, die ich letztes jahr in form der lectio divina machte. (dazu werde ich irgendwann einmal wieder mehr sagen.)

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Samstag, 4. November 2006
sprechen und psalmodieren
wegen der reise der anderen und meiner abwesenheit vor ein paar tagen haben wir eine grössere lücke gehabt in der regelmässigkeit unserer psalmen-gebetszeit morgens und abends. aber das ist auch eine gute pause gewesen, so dass wir jetzt auch mal gucken können, ob wir nicht auch mal lust haben, ein paar dinge mal anders zu machen. so haben wir – auch wegen meines neu erwachten interesses am “richtigen sprechen“ - u.a. uns vorgenommen, jetzt bei einer neuaufnahme unserer psalmen-gebetszeiten, den ersten psalm so zu beten, dass jeder einen vers vorliest. (den psalmenzyklus beutzen wir ja so, dass wir nicht nur die betreffenden angegebenen psalmabschnitte der woche beten, sondern auch die zwei der nächsten woche.)

so gibt es die möglichkeit, dass jeder von uns einmal „vorsprechen“ kann, ohne sich einem gemeinsamen sprechen fügen zu müssen, wie das ja beim psalmodieren der fall wäre. überhaupt denke ich gerade: wenn man nicht richtig „(vor-)sprechen“ oder „(aus-)sprechen“ kann, der braucht auch erst gar nicht zu versuchen zu psalmodieren. - mal sehen, wie das wird.

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Montag, 23. Oktober 2006
"regelmässigkeit" statt "geistliche übung"
notizen im allgemeinen und nachträge im besonderen:

1. stundengebet bzw. eine gebetszeit im zimmer und alleine brachte mit sich, was ich schon längst wieder vergessen habe: es fällt manchmal aus. ich werde mich ab sofort hüten, freunde verständnislos anzuschauen, wenn sie sagen, in ihrem alltag fiele es ihnen schwer, geistliche regelmässigkeiten aufrecht zu erhalten. (da aber a. halb wieder da ist, hat sich das auch wieder erledigt. die andern beiden der hausgemeinschaft haben eine urlaubs(?)-karte geschrieben. motiv: versuchung des hl. antonius vom isenheimer altar mit grässlichen dämonen. ich hoffe, es geht ihnen gut.)

2. trotzdem: aus technischen gründen empfiehlt sich vielleicht, nicht allzu emphatisch zu sagen, unser ganzes leben oder unser ganzer tag solle gebet sein. denn dann kann es gut sein, dass man das völlig aus den augen verliert. oder? was für regelmässigkeiten pflege ich in meinem (geistlichen) leben?

3. zwei nachträge zum eintrag „mit der hand geschrieben“:

3.1 habe entdeckt, dass man sich das manuskript (okay: photos vom manuskript) des st. alban psalters im netz angucken kann. der sagt mir was, weil ich mal zufällig auf einen roman (bzw. es ist fast so was wie ein dokumentation in romanform – gibt‘s so was?) von peter dyckhoff stiess, der einen in die faszination dieser handschrift mit hineinzog: albani. hier zum beispiel eine seite zu psalm 119,49f. („zum lobgesang wurden mir deine gesetze im haus meiner pilgerschaft“).

3.2 es gibt ein projekt einer handgeschriebenen illuminierten bibel im 21. jahrhundert: die saint john‘s bible. inspirierend!

4. bin beglückt, dass ich das wort „regelmässigkeit“ gefunden habe für den gebrauch wie oben geschehen. wenn man „geistliche übung“ sagt, kriegen meine wirklich evangelischen freunde bauchschmerzen. ausserdem klingt es so angebermässig. nee, da ist „regelmässigkeit“ doch wunderbar nüchtern und gelassen.

5. nicht verwirren lassen: ich habe meinen benutzernamen geändert. ich bin‘s immer noch. „denn ich bin nur ein gast bei dir, * ein beisasse wie all meine väter.“ (psalm 39,13)

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Mittwoch, 18. Oktober 2006
stundengebet-tools
in diesen tagen bin ich von der hausgemeinschaft allein hier. so habe ich das psalmengebet früh morgens und spät abends in mein zimmer verlegt, anstatt alleine in der krypta zu sitzen (so wie hier, photo unten). das erinnert mich an die zeit, in der ich das stundengebet mit dem kleinen stundenbuch kennen lernte. einfach in meinem zimmer.

kommentar 1: insofern kamen mir die bilder aus dem film (vom letzten jahr) die grosse stille über die chartreuse sehr bekannt vor, wo man einen karthäuserbruder sah, der in seinem zimmer allein das brevier betete. viele haben über diese lebensweise im film gesagt: „buh! ist doch total weltfern!“ - aber eigentlich sind das leute, die solidarisch mit menschen leben, die in einer alltäglichen welt, ihre „gebetsnischen“ suchen. alleine. im eigenen zimmer.

kommentar 2: evangelische menschen, die am stundengebet interessiert sind, fragen mich gelegentlich, was für ein buch ich ihnen empfehlen kann. dann empfehle ich die drei bände des oben erwähnten (katholischen) kleinen stundenbuches. es bietet eine gebetszeit morgens und abends an. das ist doch realistisch für leute, die einen „normalen alltag“ leben. „auf evangelisch“ gibt es so was leider nicht. als alternative würde ich dann wohl noch das te deum empfehlen, dessen redaktion gemischt ist. es ist wie ein monatsmagazin, das man abonnieren kann.

kommentar 2.1: hier (und dann auf den button „te deum“ gehen) kann man sich immer den aktuellen tag vom te deum anschauen. ich kann mir vorstellen, dass es leute gibt, die morgens den rechner anstellen und erst einmal auf diese seite gehen. aber ich weiss nicht, wie das ist, wenn man vor‘m bildschirm betet. (gibt ja leute, die sagen, sie können überall beten. also ich könnte vor einem bildschirm nicht so gut ...)

kommentar 2.2: über das evangelische tagzeitenbuch, von dem man auch hier auszüge findet, sage ich vielleicht in einem eigenen eintrag mal was.

kommentar 3: der so lang nicht lieferbare vierte band zum kleinen stundenbuch, die gedenktage der heiligen ist jetzt anscheinend wieder (oder neu) zu haben. das hätte ich heute gut brauchen können für das fest des evangelisten lukas ...

kommentar 4: bitte verpfeift mich nicht beim verein deutsche sprache e.v., weil ich oben das englische wort „tool“ für werkzeug verwendet habe! die haben einen anglizismen-index, welcher die anglizismen als „ergänzend“, „differenzierend“ oder „verdrängend“ einstuft. (es gibt also gute und böse anglizismen.) „tool“ ist bestimmt „verdrängend“. auf deutsch hiesse (jeden tag eine gute tat! heute: konjunktiv benutzen) die überschrift wohl: hilfen zum stundengebet.

kommentar 5: gibt es eigentlich eine lobby (ergänzend, differenzierend oder verdrängend?) für die rettung des ß?

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Mittwoch, 27. September 2006
psalmenzyklus
seit etwa einem halben jahr erproben wir in der hausgemeinschaft einen psalmenzyklus, der 115 psalmen für morgens und abends auf sieben wochen verteilt. die leitende idee bei der verteilung ist anglikanisch, aber es ist ein ganz eigener zyklus.

vielleicht ist das eine hilfe für andere, die über diesen zyklus (pdf, 49 KB) mit dem psalter und dem psalmengebet vertraut werden wollen?

eine schönes ausgabe ist übrigens der münsterschwarzacher psalter (vier türme verlag).

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