Montag, 5. Februar 2007
Ehr wees den Vader un den Söhn un den Hilligen Geist
eine freundin liess mich teilhaben an entdeckungen unter geerbten büchern. das „plattdüütsch gesangbook“ legte sie mir ans herz, wo auch gebete und gottesdienstordnungen drin sind. und das wiederum teile ich gerne mit den hiesigen lesern. zum beispiel das gloria patri:

Ehr wees den Vader un den Söhn un den Hilligen Geist,
as dat weer in‘n Anfang, hüüt un alletied
un vun Ewigkeit to Ewigkeit. Amen.


oder den segen:

De Herr segen di un hool sein Hann‘n öwer di.
De Herr seh di fründlich an und wees di gnädig.
De Herr laat sien Oogen in Leevde op di rohn un geev di Freeden.
Amen.


oder die einsetzungsworte:

Unse Herr Jesus Christus, in de Nacht, as he verraden wörr, nehm he dat Brood, bröök dat un dank un geev dat sien Jüngers un sä: Nehmt dat un eet! Dat is + mien Lief, de för ju hengeben warrd. Doot dat. Denkt an mi: ik bün bi ju.

Jüst so nehm he ok den Kelch nah dat Abendmahl, dank dorför un geev ehr den uns sä: Nehmt em hen un drinkt dor all ut. Disse Kelch is dat Niee Testament in mien + Blood, dat för ju vergaten warrd, de Sünden to vergeben. Doot dat. Wenn ji dat drinken doot, denkt an mi: ik bün bi ju.


erstaunlich, wie diese bekannten texte, die durch die andere sprache (die man so halb noch versteht) verfremdet sind, sich ganz anders anfühlen. (ich finde, dass die emotionalität anders ist.) in meinem kopf ergibt sich nur ein verschwommenes bild von einem jesus, der platt schnackt.

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Mittwoch, 8. November 2006
was mein ohr so hören will
sagte der zivi gestern zu mir: was murmelst du da eigentlich vor dich hin? - ganz einfach ich war gerade dabei heraus zu finden, wie georg trakls, ein winterabend eigentlich klingt. - und beim ausprobieren und auskosten kommt man immer wieder auf entscheidungen, die man gar nicht erklären kann. und es ist noch einmal anders, es über das sprechen bzw. hören zu entscheiden, als wenn man sich das quasi am schreibtisch ausdenkt. ich hatte mal notiert:
    in der dritten zeile der zweiten strophe: welches wort ist besonders zu behandeln? „golden“ oder „blühen“? der „baum der gnaden“ ist schon von selbst etwas besonderes. aber ist nun besonders, dass er golden blüht oder dass er überhaupt blüht? nimm das verb, denn es wichtig, dass bei den vielen „statischen“ beschreibungen auch mal ein wenig bewegung transportiert wird.
aber ich kann es einfach nicht. immer wieder will mein ohr das wort „golden“ sorgsam ausgesprochen hören.

ich bin erstaunt, dass ich nach diesen sechs tagen immer noch das gefühl habe, diese wenigen zeilen, drei stophen sind es ja nur, nicht adäquat sprechen zu können.

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Dienstag, 7. November 2006
liest du noch oder sprichst du schon?
ich habe eine sehr sehr schöne seite gefunden, auf der texte gesprochen werden – sehr anregend und ansprechend! dort kann man u.a. trakls raben hören. sehr lohnenswert und inspirierend, sich dort einmal um zu horchen!

(gerne mag ich ja auch heines ein jüngling liebt ein mädchen, das hier einmal von schumanns ump-ta, ump-ta – aus dem ebenfalls wunderschönen liederzyklus „dicherliebe“ - befreit worden ist ...)

(nebenbei erahne ich, dass es doch noch eine unterscheidung gibt, zwischen einem so professionellen „vortrag“ und einer einfachen schlichten „ruminatio“ - dazu aber irgendwann anders mehr.)

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Montag, 6. November 2006
trakl, herbstseele
ruth maria hat in einem kommentar georg trakls herbstseele erwähnt, von dem es anscheinend zwei fassungen gibt: 1. fassung, 2. fassung. in der zweiten fassung hat es mir das wort „stad“ angetan. ich weiss gar nicht was das heisst. wahrscheinlich ist das umso schöner.

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neue verwendung von satzzeichen?
jetzt wo mich gerade „richtiges sprechen“ beschäftigt (siehe vorangegangene einträge) habe ich gedacht: warum können wir satzzeichen nicht einfach so einsetzen, dass sie dem (vor-)leser dabei helfen, richtig zu sprechen? wir setzen satzzeichen ja nur aus grammatischen gründen ein, oder? andererseits gibt es auch zeichen, die man im sprechen gar nicht transportieren kann. z.b. die anführungszeichen oben in der ersten zeile. dem leser (mit den augen) zeigt es an, dass ich diesen begriff nicht ganz gelungen finde. aber wie müsste das ausgesprochen werden? soll man da etwa mit den fingern anführungszeichen in die luft malen? das ist ja auch eine witzige kombination von sprechen (akustisch) und (wenn auch in die luft) schreiben (visuell).

aber vielleicht untersucht man erst einmal die satzzeichen, wie man sie kennt:

  • der punkt sagt einem: die stimme senken!
  • das ausrufezeichen sagt einem: mit nachdruck sprechen! (da wäre es hilfreich, diese information schon am anfang des satzes zu bekommen anstatt am ende, denn wenn der satz so lang ist und man erst am ende erfährt, dass man ihn mit nachdruck sprechen sollte, ist es leider schon zu spät.) also könnte man das ja so machen: !mit nachdruck sprechen!
  • das fragezeichen sagt: die stimme am schluss des satzes heben! allerdings begegnet einem manchmal so was:
      er fragte, ob es wohl möglich sei, das fenster aufzumachen?
    was eine in unserem zusammenhang nicht-sinnvolle anwendung ist.
  • das semikolon sagt einem: die stimme senken, aber nicht so doll wie wenn da ein punkt steht. (?) nebenbemerkung: das fragezeichen in den runden klammern ist auch nur eine visuelle information, die nicht akustisch umsetzbar ist. dafür müsste man einen satz formulieren.
  • etc.


  • man müsste das mal in ruhe überlegen und ordnen. aber kann das nicht mal ein germanist mal eben machen?

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    winterabend, erste strophe
    schon bei der ersten strophe von trakls winterabend musste ich mich beim sprechen einiges fragen:

    (1) ist die zweite zeile („lang die abendglocke läutet“) inhaltlich die folge der ersten („wenn der schnee ans fenster fällt“)? wenn ja, kann die stimme gesenkt werden. wenn nein, kann die stimme noch „oben“ bleiben und die dritte zeile („vielen ist der tisch bereitet“) wird dann als folge der ersten beiden zeilen präsentiert.

    (2) allerdings müsste der satz in der dritten zeile dann doch heissen: „ist der tisch vielen bereitet“, oder nicht?

    (3) ist es beim sprechen befriedigend, die dritte zeile als „folgesatz“ zu verstehen?

    ist natürlich schwierig, druckmässig darzustellen, wie ich etwas vor-sprechen möchte, aber hier ein versuch:
      wenn der schnee ans fenster fällt, [´]
      lang ... die abendglocke läutet, [´]
      (vielen) ist der tisch bereitet, [^]
      und das haus - ist wohlbestellt. [`]
  • unterstreichung soll bedeuten: dieses wort ist in dieser zeile mit sorgfalt auszusprechen.
  • der akut [´] nach rechts oben: stimme oben lassen.
  • der gravis [`] nach rechts unten: stimme senken.
  • der zirkumflex [^] soll bedeuten: stimme senken, aber nicht zu doll, es kommt noch was!


  • naja, am besten man malt mit bleistift in dem gedruckten text herum. gedruckte zeichen sind einfach viel zu unflexibel.

    ich muss aber noch viel mehr ausprobieren, was am sinnvollsten und richtig klingt ... man muss einfach mal zuhören lernen ...

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    Freitag, 3. November 2006
    sprechen lernen
    gestern also eine gedichtanthologie aus der bibliothek genommen. vor dem aufschlagen fiel mir ein: vielleicht bekommst du ja noch hesses stufen („wie jede blüte welkt etc.“) zusammen. - ja, und es ging. und von den studientagen auf „sinnvolles“ aussprechen sensibilisiert, höre ich längst vergangenes – 15 jahre müssen es her sein, dass ich es einmal lernte – vergangenges wurde gegenwärtig. und immer wieder diese worte sagen. so muss es kindern ergehen, wenn sie immer und immer wieder dieselbe geschichte hören wollen. gut, und dann: rilkes herbsttag („herr, es ist zeit, der sommer war sehr gross etc.“) - das bekam ich auch noch zusammen. ich blätterte ein wenig, um mal zu gucken, was ich noch lernen könnte. dabei fiel mir trakls winterabend auf.

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