Mittwoch, 9. Mai 2007
mein ostertag ist schon im lauf
wir sind ja immer noch in der osterzeit. da ist es schön, immer noch osterlieder zu singen. eine entdeckung im (evangelischen) gesangbuch ist das lied, das wir in dieser woche jeden morgen singen: „frühmorgens da die sonn aufgeht“ (111) von johann heermann (1630), zur melodie von „erschienen ist der herrlich tag“. da gibt es auch strophen, wo der singende von sich selbst und von seinem eigenem auf(er)stehen singt:
    2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Not
    verschlossen, gleich als wär ich tot,
    läßt du mir früh die Gnadensonn
    aufgehn: nach Trauern Freud und Wonn.
    Halleluja.



    4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt
    mit Schmach am Kreuz gefangen hält;
    drauf folgt der Sabbat in dem Grab,
    darin ich Ruh und Frieden hab.
    Halleluja.

    5. In kurzem wach ich fröhlich auf,
    mein Ostertag ist schon im Lauf;
    ich wach auf durch des Herren Stimm,
    veracht den Tod mit seinem Grimm.
    Halleluja.

    ...

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Montag, 9. April 2007
würdest du es merken?
karsamstag sagte eine frau, sie wäre gern ein baum in einem garten, der vor gott grünt. ich fragte sie, warum sie das nicht jetzt auch schon tun könne und ob sie wisse, was sie tun könne, um das umzusetzen. daraufhin sagte sie, einiges könne man sicherlich tun, aber letztlich müsse das von gott geschenkt sein. ich fragte weiter, warum gott es ihr denn nicht jetzt schenken würde. wenn alles gnade ist, wenn alles geschenk ist, worauf warten wir dann? ich sagte darum: „würden sie es merken, wenn gott es ihnen schenkt, wie ein baum vor ihm zu blühen? was für ein zeichen müsste ihnen gegeben werden, dass sie bemerken, dass es jetzt gelingt?“ - und da sagte sie sehr ehrlich: „das habe ich mich auch schon gefragt. und ich weiss es nicht. ich habe auch angst, es zu verpassen.“

würdest du es merken, dass ostern ist? würdest du es merken, wenn alles gut ist? und woran würdest du es erkennen?

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Dienstag, 3. April 2007
palmsonntag
nach „unserem“ gottesdienst sind wir dann noch bei der katholischen gemeinde vorbei gefahren. da sah man noch ein paar kinder mit schleifenverzierten buchsbaumgestecken. ich dachte, so was gibt’s nur in süddeutschland. jedenfalls fragten wir auch nach ein paar buchsbaumresten – und so ist nun auch in meinem zimmer ein geweihtes zweiglein. das grün ist tröstend.

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Dienstag, 20. März 2007
(los-)gehen und nicht zurück schauen
ich weiss, die okuli-woche ist vorbei und wir sind bei lätare angelangt. aber immer noch geht mir der wochenspruch vom sonntag okuli nach, der dem sonntagsevangelium entnommen ist:
    wer seine hand an den pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das reich gottes. (lukas 9,62)
überhaupt ist es die ganze passage (lukas 9,57-62), die mich schon ein anderes mal wirklich losgehen liess. ohne noch zu zögern. wenn nicht jetzt, wann dann? deswegen war ich vorletzten sonntag froh, wieder dieses evangelium zu hören.

mache dein hinter jesus hergehen niemals abhängig von äusseren gegebenheiten. denke nicht, die und die bedingungen müssten erfüllt sein, damit du das optimal kannst. wenn du am morgen aufwachst, sollst du wissen: alles ist dir schon gegeben für diesen weg. alles, was du beim aufwachen vorfindest, ist genug an proviant und ausrüstung. mehr brauchst du nicht. und dann musst du den weg fortsetzen, ohne zurück zu schauen. während du vor dich hin singst: oculi mei semper ad dominum ... meine augen sehen stets auf den herrn ...

noch 19 tage bis ostern.

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Mittwoch, 14. März 2007
exsultet üben
noch 25 tage bis ostern. zeit, das exsultet wieder auszugraben und zu gucken, ob man‘s noch kann.

hier in aumühle beginnt der osterfrühgottesdienst (um 5.00 uhr) mit dem einzug der osterkerze in die dunkle kirche, begleitet von dem ruf „christus, unser licht! – gelobt sei gott!“ wenn alle ihre kerzen an dem licht der osterkerze entzündet haben, wird das exsultet vorgetragen.

es ist ein lobpreis des rettenden handeln gottes damals – im durchgang durch das schilfmeer, im durchgang durch den tod zur auferstehung – und heute, in dieser nacht. „dies ist die nacht“ heisst es immer wieder im exsultet: was einst geschehen ist, ist im gegenwärtigen ganz genauso „wahr“, und besonders „heute“, am ostertage.

der ruf „dies ist die nacht“ wird hier bei uns von der gemeinde aufgenommen und wiederholt. (nach einer idee der lutherischen kirche in den usa, siehe renewingworship.org unter „easter vigil“, example #1.) so kann man selbst ins singen kommen und sich in dieses vertrauen singen, dass das geschehene neu wahr wird: auferstehung.

vorgetragen wird das exsultet auch dieses jahr wieder in der übersetzung von norbert lohfink sj, der sehr überzeugend seine fassung erläutert: siehe bei sankt-georgen.de ganz unten. da findet sich auch der link zu den „noten“ dazu.

weiss nicht wie einige das finden, jetzt schon von österlichen dingen zu sprechen. gestern war ich kurz in hamburg und dort ist schon überall osterdeko in den geschäften. das verwirrte mich nun wirklich.

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Freitag, 9. März 2007
johannespassion (3)
nach dem satz „da nahm pilatus jesum und geisselte ihn“ (wo der evangelist in der bachschen johannespassion schon ein wenig stark aus sich herausgeht), kommt ein arioso (eine mischung aus kurzarie und rezitativ) mit folgendem text:
    Betrachte, meine Seel, mit ängstlichem Vergnügen,
    mit bittrer Lust und halb beklemmtem Herzen
    dein höchstes Gut in Jesu Schmerzen,
    wie dir auf Dornen, so ihn stechen,
    die Himmelsschlüsselblumen blühn,
    du kannst viel süße Frucht von seiner Wermut brechen;
    drum sieh ohn Unterlass auf ihn.
und dann diese tenor-arie:
    Erwäge wie sein blutgefärbter Rücken
    in allen Stücken
    dem Himmel gleich geht;
    daran, nachdem die Wasserwogen
    von unsrer Sündflut sich verzogen,
    der allerschönste Regenbogen
    als Gottes Gnadenzeichen steht.
[bei youtube.com die tenor-arie erwäge wie sein blutgefärbter rücken mit harnoncourt am pult.]

poetischer irrsinn: auf dem gepeitschten rücken erscheint dem dichter ein regenbogen. und diesen lässt der capellmeister zwei violen d‘amore (die besonders weich klingen) mit dämpfer ausmalen. der tenor verliert sich in dem wort „regenbogen“.

ich denke wieder an den passionsfilm von mel gibson. während der filmemacher aus dem kurzen satz des evangeliums distanzlos eine minutenlange blut- und gewaltorgie inszeniert, tritt der leipziger capellmeister einen schritt zurück und bedeckt schon den geschundenen körper des leidenden mit gedämpften streicherklängen. und tritt er durch diese geste nicht wieder näher an das geschehen heran, als der filmemacher, der sich in dem zeigen schonungsloser gewalt weidet?

andere einträge dazu:
johannespassion (1)
johannespassion (2)

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Mittwoch, 28. Februar 2007
johannespassion (2)
herr, unser herrscher, der eingangschor der bachschen johannespassion, fragen zum hören:
  1. die bewegungen der streicher und später dann des chores: wonach klingt das? wie wellen? warum wellen?
  2. hörst du die oboen-signale über den anderen wellenbewegungen? was haben die zu bedeuten?
  3. der eingangschor ist das tor, mit dem man in die geschichte vom leiden des messias eintritt. bei dante steht über dem höllentor: lass alle hoffnung fahren. in deinen worten: was steht über diesem tor, mit dem die johannespassion beginnt?
wer noch keine aufnahme hat: die mit gardiner ist standard. (aber in meiner erinnerung auch irgendwie zu glatt und dadurch aussagelos. aber perfekt musiziert freilich.) eine preisgünstige aufnahme gibt es mit higginbottom im naxos-label.

andere einträge dazu:
johannespassion (1)

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Dienstag, 27. Februar 2007
des fleisches hoffart beugt und brecht
[1] in dieser woche singen wir häufiger „schon bricht des tages glanz hervor“ (evangelisches gesangbuch 453): jochen klepper übersetzte 1939/1941 den hymnus „iam lucis orto sidere“. es eröffnet unter dem titel „ambrosianischer morgengesang“ sogar die sammlung geistlicher lieder mit dem titel „kyrie“, wo man auch andere bekanntere lieder von ihm findet. vielleicht kennen es unsere katholischen freunde als „schon zieht herauf des tages licht“, aber kleppers gelungene übersetzung sei auch ihnen zum entdecken empfohlen. da findet sich beispielsweise die zeile „des fleisches hoffart beugt und brecht! / und trank und speise brauchet recht“ für alle, die sich einem kampf-fasten unterziehen.

[2] hätten wir früher von so was gesungen, hätte ich wahrscheinlich einen ernsthaften knacks gekriegt. da starrten wir ja immer gebannt auf unser unvermögen, hielten christen aus den grossen kirchen für lau und wollten alle unsere freunde zu evangelistischen veranstaltungen mitnehmen (wenn wir uns trauten). vielleicht kann man das alles nun bei claudia schreiber (durch „emmas glück“ bekannt geworden) nachlesen. ich hab es mir jedenfalls bestellt, nachdem ich das las: „ihr ständiger begleiter“ von claudia schreiber vorgestellt bei ndr.de - übrigens ist die autorin auch bei baptisten aufgewachsen. wird vielleicht also eine reise in die vergangenheit. [nachtrag: siehe dazu einen späteren eintrag von mir.]

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Montag, 26. Februar 2007
umherirren
die vierzigtägige vorbereitungszeit hat als hintergrundfolie die vierzig jahre der wünstenwanderung des volkes gottes. und wenn man an all die geschichten dieser wüstenjahre denkt, ist das ein ständiges hin und her zwischen gott vertrauen und seinem weg misstrauen.

ich kann mir vorstellen, dass wenn man sich einigen verzicht vorgenommen hat, auch immer „rückschläge“ haben (wird). man sollte sich daran erinnern, was das für ein umherirren war in den wüstenwandergeschichten – und doch sind die wandernden irgendwann angekommen. dieses hin und her, dieses „immer noch nicht angekommen sein“ sagt mir was. es gehört eben zu diesem weg dazu.

[nachtrag: zu den wüstenwandergeschichten kann man mal psalm 78 lesen und beten. da ist dieses hin und her wirklich gut eingefangen.]

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Mittwoch, 21. Februar 2007
johannespassion (1)
von pärts passio zu sankt bachs johannespassion: den ersten teil hab ich gestern wieder gehört und nachher gedacht: oft meinen wir von kunst, dass sie uns etwas näher bringt – und wieviel mehr geschieht das durch musik. und doch kann ein „gegenstand“ der kunst auch erst einmal einen abstand schaffen: vielleicht, damit man „besser“ sehen kann.

und vielleicht gehört zum sehen oder hören und wahrnehmen von kunst nicht nur die konfrontation mit dem werk „von angesicht zu angesicht“, sondern auch der weg dahin. folgendes photo zeigt es doch gut: im hintergrund ist grünewalds bild, der grund, weswegen die leute nach colmar fahren. aber man muss sich noch auf einen weg dorthin machen, an den anderen bildern vorbei:



ein zweiter gedanke: was mir beim eingangschor der johannespassion nachgegangen ist, ist dass jesus selbst angesprochen wird: „zeig uns durch deine passion, dass du ... zu aller zeit auch in der grössten niedrigkeit verherrlicht worden bist.“ - niemand besseres könnten wir bitten, uns den weg des kreuzes zu zeigen, als den, der diesen weg selbst gegangen ist. wir können filme machen oder passionsoratorien schreiben oder kreuzwege gestalten, aber „richtig“ sehen und hören lassen kann uns nur der, von dem unsere geschichten erzählen wollen.

wie kann uns jesus dieses jahr, seinen weg „sehen lassen“? wo zeigt er uns dieses jahr diesen weg?

„herr, unser herrscher“, der eingangschor der johannespassion bei youtube.com mit suzuki am pult.

Herr, unser Herrscher,
dessen Ruhm in allen Landen herrlich ist!

Zeig uns durch deine Passion,
dass du, der wahre Gottessohn,
zu aller Zeit,
auch in der grössten Niedrigkeit,
verherrlicht worden bist!


[eine fussnote zu nähe und abstand bei „kunstdingen“ im ersten absatz: diese gedanken beziehen sich darauf, dass ich beim schauen von mel gibsons passionsfilm nicht überzeugt war. film an sich will meistens die illusion erzeugen, die „realität“ zu zeigen. das heisst, er tut so als ob er den abstand überspringen könnte. und das funktioniert einfach nicht. ein medium, eine form sollte sich seiner beschränkung bewusst sein und dies offen darlegen. bei einer passionsmusik ist das hingegen klar: es gibt hier einen abstand.]

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