Mittwoch, 25. April 2007
heute in meinem feedreader entdeckt: ein hinweis von brockenstube.wordpress.com zu einer auseinandersetzung einer landeskirche mit einem ihrer theologen, die schlimmstenfalls in einem lehrbeanstandungsverfahren münden könnte.

interessant ist für mich nicht so sehr, dass nicht nur die römische kirche sich um ihre glaubensaussagen sorgt, sondern der ansatz des „angeklagten“ selbst, claus petersen, der sozusagen konsequenzen aus der aktuellen exegese zieht. und zwar praktisch, und als „ökumenische initiative“, die sich der verkündigung jesu vom reich gottes (die mclaren-leser horchen vielleicht auf) verpflichtet fühlt. das ist mutig.

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Mittwoch, 24. Januar 2007
sich an tradition anschmiegen
fulbert steffensky in chrismon plus 01/2007 unter der überschrift „Ich frage nicht, ob die alten Psalmen richtig sind. Und doch trinke ich von einer alten Wahrheit“:
    „Wir haben guten Wein in alten Schläuchen: Unsere alten Kirchen, in denen so viele Kinder getauft und Tote beweint wurden; die alten Formeln, mit denen das Glück von Menschen besiegelt und ihre Sünden vergeben wurden; die alten Kelche, aus denen Menschen die Hoffnung auf das Leben getrunken haben; die Texte Luthers und Zwinglis, in denen die Liebenden und die Verlassenen eine Unterkunft gefunden haben. Die alten Schläuche enthalten nicht nur alten guten Wein. Der Wein hat auch die Schläuche geheiligt. Unsere Traditionen: alte Schläuche und guter Wein in einem. Die Welt wird lesbar mit den alten Texten.“
inspirierend. so lange es noch solche (vorsicht: pathos:) weisheit atmenden ansagen in der (evangelischen) kirche gibt, ist noch nicht alles verloren. traditionalisten werden aber auch gewarnt:
    „Wäre ich nur konservativ, könnte ich es dabei belassen. Aber ich wäre dann nur ein Wiederholer der Sprache der Toten. Wer genau lebt, denkt, spricht wie seine Toten, lebt nicht in ihrem Geist. Wer in einer Tradition lebt, hat drei Aufgaben: Er muss sich in Demut an ihr messen. Er muss diese Traditionen reinigen. Es ist nicht ohne Weiteres ausgemacht, dass diese Tradition die Überlieferung des Geistes ist. In ihr steckt auch der Verrat und die Schuld unserer Toten. ... Die dritte Aufgabe: Er muss die Lieder und die Hoffnungsgeschichten weiterdichten und neue Schläuche für den alten guten Wein finden.“

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Mittwoch, 22. November 2006
einfach noch ein raum
[1] während christians blog mit der überschrift „neue blogs braucht das land“ begann, sagte s. am sonntag zu mir: „wozu braucht man eigentlich einen blog?“ er beschrieb den raum des web als kampfplatz für extreme positionen und polemik. wo ist besonnenheit und nüchternheit im web zu finden? wo ist hier die mitte? und dennoch: der grundzug des bloggens ist ein pathos für das durchschnittliche. und so lassen sich durchschnittlichkeit und alltäglichkeit als wert entdecken. und das ist gut so. wenn wir uns als durchschnittlich erfahren, dann können wir fast sicher sein, dass wir reale menschen sind.

[2] ein etwas längerer eintrag von simon de vries (“gedanken über neue formen von gemeinschaft“) ist da viel affirmativer, was die netzkultur und ihre möglichkeiten für das leben der kirche angeht.

[3] und ich denke auch: das netz ist einfach ein weiterer raum, in welchem menschen sich („wirklich“) bewegen. mag sein, dass es ein tummelplatz für extreme positionen und nutzlose inhalte ist – aber so wie wir an unseren orten auch eine kultur des miteinanders gestalten, sind wir dazu eingeladen, es auch im raum des web zu tun.

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Dienstag, 21. November 2006
nach schönheit suchen
gestern also nacht der lichter, ein abendgebet mit liedern (und besuch, frère andreas war da) aus taizé in der hauptkirche st. trinitatis, altona (hamburg). vor dem gebet gab es eine begegnung mit schwester gerharda, die interessierten eindrücklich erzählt hat von der alimaus: aufenthaltsraum und essensausgabe für bedürftige menschen. zu beginn gab es viele geschichten von dem, wie alles anfing und was für persönlicher einsatz damit zusammenhing. es schien mir, als sei mit diesen alten geschichten so etwas verbunden wie das bewusstsein ein „erbe“ weiter zu führen. indem wir immer wieder unsere geschichte wie etwas anfing erzählen, werden wir ermutig für das, was noch kommen kann. – die alimaus, eine tolle sache, interessante leute, an deren engagement man gerne anknüpfen mag.

st. trinitatis in altona ist ein sehr ansprechender raum: allein schon die platzierung des altars in der mitte sagt schon ganz viel. sicherlich trug auch dieser raum mit dazu bei, dass das gebet ein besonderes ereignis wurde. – nachdem ich letzte woche panik geschoben habe, weil ich dachte: „nein, also einfach so ohne instrumente und nix – wie soll das bitte mit einigen hundert leuten gehen?“ war es eine tolle sache, ganz schlicht die lieder anzustimmen und zu bemerken: „es geschieht etwas.“ eine kirche voll mit leuten, die einfach mit dem instrument ihres körpers, ihrer stimme sich der schönheit des gebetes überliessen …

(warum können wir nicht öfter die kategorie des schönen in der kirche anbringen? einfach mal so etwas fragen wie: ist die theologie karl barths schön? – wobei schönheit natürlich etwas anderes ist als eigener persönlicher geschmack …)

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Freitag, 17. November 2006
gebets-tool
da mein laptop gerade zur reparatur ist, befinden sich die wichtigsten dateien, mit denen ich arbeiten muss, gerade auf einem usb-stick. bin immer wieder erstaunt, wie viel da drauf passt. in der anderen hosentasche befindet sich dies:



das ist auch eine art speichermedium. klar, es ist ein fingerrosenkranz, aber nichts spricht dagegen, rosenkranzgebet-fremde formate drauf zu laden. speicherplatz ist quasi unendlich, bzw. es wird niemals zu wenig sein, und niemals mehr als man wirklich braucht. kein akku, keine andere stromversorgung nötig. betrieben wird das gerät mit deinem eigenen atem. kannst es also so lange benutzen, bis du deinen letzten atemzug aushauchst.

auch haben wollen? einfach in den nächsten bastelladen gehen und ein paar perlen besorgen oder eine stylische ring-version bei sacraldesign.de erwerben.

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Dienstag, 14. November 2006
lieber dies als das
im erwähnten gespräch und einem anderen netten gespräch gestern abend bahnte sich auch folgender gedankengang seinen weg:
    lieber ein gelingendes leben ohne gott als ein durch welchen frömmigkeitsstil auch immer verkorkstes leben mit „gott“.
wenn man beides – ein gelingendes leben und ein „gott anhangen“ - hat, ist das natürlich schön ... aber ich möchte wirklich nachdrücklich unterstreichen, dass es das ist, was ich meinen mitmenschen wünsche.

(und dass es nach meiner erfahrung besondere kandidaten für‘s verkorksen gibt, tut hier nichts zur sache.)

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Sonntag, 12. November 2006
keine strategie ist die neue strategie
| 1 |während der „trakl-woche“ auf diesem blog, zog sich unbemerkt ein gesprächsfaden (via e-mail) an anderer stelle durch: da tauchte wieder mein bedürfnis auf, von strategien abzusehen. im leben allgemein als auch im besonderen im kirche-sein. wenn wir nicht gerne und ohne hintergedanken kirche sein mögen (was einschliesst, sachen zu unterlassen, auf die wir flapsig gesagt keine lust haben), wie könnten wir da vermitteln können, was uns wichtig ist und wir selbst an uns erfahren haben? also: keine strategie ist die neue strategie. oder auch: keine mission ist die neue mission.

| 2 |bei versand[at]ekd.de kann man für umsonst das impulspapier der ekd kirche der freiheit bestellen. jetzt habe ich also diese geschichte in gedruckter form. eine freundin sagte: „super! lies das doch mal durch und schreib dann ne zusammenfassung und schick mir das dann als e-mail!“ - das werde ich nicht tun. ein anderer fleissiger mensch wird das sicherlich schon getan haben. oder noch tun. ausserdem finde ich, dass das poppige grün und blau des 110-seitigen papiers mit dem sehr bezeichnenden titeil kirche der freiheit schon viel sagt. gerne sitzt man damit lesend in der bahn, ohne sich vor den anderen zu schämen, und denkt: mensch, wie cool muss sich das anfühlen, zur kirche der freiheit zu gehören!

| 3 | dass es den film über die eremitengemeinschaft, der chartreuse, die grosse stille jetzt auf dvd gibt, haben einige vielleicht schon mitgekriegt?

| 4 |hatten jetzt gerade ein wochenende mit henryk megier, einem lehrer für yoga und kontemplation, der beides sehr ansprechend vermittelt hat. für mich war es eine gute gelegenheit (über das ausprobieren der übungen, die henryk angeleitet hat), meine eigene weise zu finden. am schluss des wochenendes gab er uns die fünf prioritäten des kontemplativen lebens (nach franz jalics sj) mit:
  1. ausreichend schlaf
  2. bewegung und gesunde ernährung
  3. gebet
  4. zeit für die menschen, zu denen ich gehöre
  5. arbeit
dass der schlaf an erster stelle (und die arbeit an letzter) steht, find ich sehr sympathisch ...

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Freitag, 20. Oktober 2006
es geht um weniger (sic) als kirche mit iPod-ästhetik
habe irgendwie das bedürfnis, mich dafür zu entschuldigen, dass das wort „(emerging) church“ auf diesem blog vorkommt. ausserdem fühle ich mich wohl etwas frustriert, dass ich auch so spät auf dieses „gespräch“ gestossen bin. als erstes dachte ich: mann, leute, hättet ihr das nicht auch schon vor fünf jahren durchmachen können? damals gab es eigentlich kaum eine alternative für menschen, die in einer frömmigkeitstradition aufgewachsen waren, in der sie bald keine luft zum atmen mehr hatten. und dann dieses wort: „postmoderne“, das alle schon genervt hat - hatten wir doch alles schon in unseren seminaren und vorlesungen. na, immerhin: wer hätte gedacht, dass so etwas geschehen würde? und: ich bin auf einem eigenen (anderen) weg jetzt. gutmütig winke ich meiner vergangenheit zu.

jedenfalls: mir ist es unheimlich wichtig, dass bei dem, was wir tun, wir alles strategische von uns weisen. es handelt sich bei dem, was gerade geschieht („emerging“), ja nicht darum, kirche mittels iPod-ästhetik neu zu verpacken. (aber wenn‘s schick aussieht und kreativ und inspirierend, ist das auch schön!) aufatmen zu können und sich in eine „grosszügige“ haltung einzuüben, ist schon viel.

„strategie“ bedeutet für mich in diesem zusammenhang, dass es hintergedanken gibt. oder: dass eine sache nicht um ihrer selbst willen getan wird, sondern um etwas anderes zu erreichen. es ist hingegen ganz einfach etwas nicht als strategie zu tun. und das geht so: man tut nur noch die dinge, die man gern tut.

mensch, hab jetzt genug an diesen absätzen herumgeschrieben. ich werde es einfach so mal als fragment lassen.

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Dienstag, 10. Oktober 2006
souvenirs des spirituellen touristen
folgende verse fand ich in: tongues of fire. an anthology of religious and poetic experience. introduced and edited by karen armstrong, (penguin books) 1987.

Aleksander Wat, Japanese Archery (translated by Richard Lourie)
    I
The hand tells the bowstring
Obey me.

The bowstring tells the arrow:
O arrow, fly.

The arrow answers the bowstring:
Speed my flight.

The arrow tells the target:
Be my light.

The target answers the arrow:
Love me.
    II
The target tells arrow, bowstring, hand and eye:
Ta twam asi.

Which means in a sacred tongue:
I am Thou.
    III
(Footnote of a Christian:
O Mother of God,

watch over the target, the bow, the arrow
and the archer).

es ist die schlichtheit und nüchternheit, die mir gefällt. und die unbekümmertheit, die muttergottes in einer fussnote anzurufen. wie ein goldglitzerndes heiligenbildchen, das man noch dazuklebt. allusionen von zen und lourdes: auf dem souvenir-regal des postkonfessionellen touristen findet sich beides.

siehe dazu das kapitel „spiritueller tourismus“ von steve taylor, bei depone zu finden.

auch damit müssen wir rechnen: dass spirituelle touristen sich auch andere reiseführer nehmen. dies ist immerhin das recht der „kunden“, und wir müssen sie dann freigeben.

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Samstag, 7. Oktober 2006
élargir ... incarnational
vor einer woche war das norddeutsche kommunitäten-treffen bei uns im haus. schön war, dass man viel zeit hatte, miteinander zwanglos ins gespräch zu kommen. zudem war es ein super wetter. sehr ansprechend und mutig war ein vortrag ["damit der ökumene nicht die luft ausgeht"] von p. marian reke osb aus der abtei königsmünster in meschede, der unter dem zauber des wortes „élargir - ausweiten“ stand, dem letzten wort aus dem unvollendeten brief frère rogers. berührend dann auch die kleinen gesprächsgruppen, die sich so fanden, dass man einen zettel aus einem korb zog, und sich diejenigen zu einer gruppe finden sollten, die denselben satz hatten: alle aus dem unvollendeten brief. man wähnte sich sich irgendwie in taize.

mutig war der vortrag, weil die bewegung des ausweitens von p. marian nicht nur auf die kirchen der christlichen ökumene beschränkt wurde, sondern der blick zum horizont der religionen geweitet wurde. im gedächtnis behalten habe ich einen satz, den p. marian glaube ich beim anschliessenden austausch formulierte. das ging in etwa so:
    „das christentum ist keine religion des universalen heilsanspruches, sondern seine botschaft ist der universale heilszuspruch.“
als ich dann letzte woche auch noch das kapitel „why i am incarnational“ aus brian mclarens generous orthodoxy las, verknüpfte sich beides irgendwie ...

vortrag von pater marian (pdf, 140 KB)

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