Mittwoch, 24. Januar 2007
sich an tradition anschmiegen
fulbert steffensky in chrismon plus 01/2007 unter der überschrift „Ich frage nicht, ob die alten Psalmen richtig sind. Und doch trinke ich von einer alten Wahrheit“:
    „Wir haben guten Wein in alten Schläuchen: Unsere alten Kirchen, in denen so viele Kinder getauft und Tote beweint wurden; die alten Formeln, mit denen das Glück von Menschen besiegelt und ihre Sünden vergeben wurden; die alten Kelche, aus denen Menschen die Hoffnung auf das Leben getrunken haben; die Texte Luthers und Zwinglis, in denen die Liebenden und die Verlassenen eine Unterkunft gefunden haben. Die alten Schläuche enthalten nicht nur alten guten Wein. Der Wein hat auch die Schläuche geheiligt. Unsere Traditionen: alte Schläuche und guter Wein in einem. Die Welt wird lesbar mit den alten Texten.“
inspirierend. so lange es noch solche (vorsicht: pathos:) weisheit atmenden ansagen in der (evangelischen) kirche gibt, ist noch nicht alles verloren. traditionalisten werden aber auch gewarnt:
    „Wäre ich nur konservativ, könnte ich es dabei belassen. Aber ich wäre dann nur ein Wiederholer der Sprache der Toten. Wer genau lebt, denkt, spricht wie seine Toten, lebt nicht in ihrem Geist. Wer in einer Tradition lebt, hat drei Aufgaben: Er muss sich in Demut an ihr messen. Er muss diese Traditionen reinigen. Es ist nicht ohne Weiteres ausgemacht, dass diese Tradition die Überlieferung des Geistes ist. In ihr steckt auch der Verrat und die Schuld unserer Toten. ... Die dritte Aufgabe: Er muss die Lieder und die Hoffnungsgeschichten weiterdichten und neue Schläuche für den alten guten Wein finden.“

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