Freitag, 9. März 2007
johannespassion (3)
beisasse, 11:48h
nach dem satz „da nahm pilatus jesum und geisselte ihn“ (wo der evangelist in der bachschen johannespassion schon ein wenig stark aus sich herausgeht), kommt ein arioso (eine mischung aus kurzarie und rezitativ) mit folgendem text:
poetischer irrsinn: auf dem gepeitschten rücken erscheint dem dichter ein regenbogen. und diesen lässt der capellmeister zwei violen d‘amore (die besonders weich klingen) mit dämpfer ausmalen. der tenor verliert sich in dem wort „regenbogen“.
ich denke wieder an den passionsfilm von mel gibson. während der filmemacher aus dem kurzen satz des evangeliums distanzlos eine minutenlange blut- und gewaltorgie inszeniert, tritt der leipziger capellmeister einen schritt zurück und bedeckt schon den geschundenen körper des leidenden mit gedämpften streicherklängen. und tritt er durch diese geste nicht wieder näher an das geschehen heran, als der filmemacher, der sich in dem zeigen schonungsloser gewalt weidet?
andere einträge dazu:
johannespassion (1)
johannespassion (2)
- Betrachte, meine Seel, mit ängstlichem Vergnügen,
mit bittrer Lust und halb beklemmtem Herzen
dein höchstes Gut in Jesu Schmerzen,
wie dir auf Dornen, so ihn stechen,
die Himmelsschlüsselblumen blühn,
du kannst viel süße Frucht von seiner Wermut brechen;
drum sieh ohn Unterlass auf ihn.
- Erwäge wie sein blutgefärbter Rücken
in allen Stücken
dem Himmel gleich geht;
daran, nachdem die Wasserwogen
von unsrer Sündflut sich verzogen,
der allerschönste Regenbogen
als Gottes Gnadenzeichen steht.
poetischer irrsinn: auf dem gepeitschten rücken erscheint dem dichter ein regenbogen. und diesen lässt der capellmeister zwei violen d‘amore (die besonders weich klingen) mit dämpfer ausmalen. der tenor verliert sich in dem wort „regenbogen“.
ich denke wieder an den passionsfilm von mel gibson. während der filmemacher aus dem kurzen satz des evangeliums distanzlos eine minutenlange blut- und gewaltorgie inszeniert, tritt der leipziger capellmeister einen schritt zurück und bedeckt schon den geschundenen körper des leidenden mit gedämpften streicherklängen. und tritt er durch diese geste nicht wieder näher an das geschehen heran, als der filmemacher, der sich in dem zeigen schonungsloser gewalt weidet?
andere einträge dazu:
johannespassion (1)
johannespassion (2)
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hold51,
Freitag, 9. März 2007, 14:09
Meinst du mit Wagner-Tenor Thomas Moser, der hier die Arie singt? Ich finde ihn nicht schlecht. Aber interessant, was du sagst und völlig richtig. Mich hat an dem Gibson-Film am meisten gestört, dass es, - wie du sagst - eben inszeniert ist, obwohl es mit so einem dokumentarischen Anspruch daherkommt. Aber die Brutalität des Geschehens ist nur vordergründiges Spektakel. Unter Pilatus gab es 8.000 Hinrichtungen, die sich in Sachen Brutalität nichts gegeben haben werden. Deswegen geht der Evangelist mit einem kurzen Satz darauf ein und deswegen ist Bach dichter am Wesentlichen dran, wenn er - in einem poetisch zwar fragwürdigen Bild - "Gottes Gnadenzeichen" hinter der Gewalt in den Blick nimmt.
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beisasse,
Montag, 12. März 2007, 10:47
ja, mich hat das auch gewundert, dass es beim film immer hieß, dass es da einen authentischen anspruch gäbe. - und dann waren da diese komischen horror-film elemente drin. wirklich merkwürdig.
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