Montag, 5. Februar 2007
Ehr wees den Vader un den Söhn un den Hilligen Geist
eine freundin liess mich teilhaben an entdeckungen unter geerbten büchern. das „plattdüütsch gesangbook“ legte sie mir ans herz, wo auch gebete und gottesdienstordnungen drin sind. und das wiederum teile ich gerne mit den hiesigen lesern. zum beispiel das gloria patri:

Ehr wees den Vader un den Söhn un den Hilligen Geist,
as dat weer in‘n Anfang, hüüt un alletied
un vun Ewigkeit to Ewigkeit. Amen.


oder den segen:

De Herr segen di un hool sein Hann‘n öwer di.
De Herr seh di fründlich an und wees di gnädig.
De Herr laat sien Oogen in Leevde op di rohn un geev di Freeden.
Amen.


oder die einsetzungsworte:

Unse Herr Jesus Christus, in de Nacht, as he verraden wörr, nehm he dat Brood, bröök dat un dank un geev dat sien Jüngers un sä: Nehmt dat un eet! Dat is + mien Lief, de för ju hengeben warrd. Doot dat. Denkt an mi: ik bün bi ju.

Jüst so nehm he ok den Kelch nah dat Abendmahl, dank dorför un geev ehr den uns sä: Nehmt em hen un drinkt dor all ut. Disse Kelch is dat Niee Testament in mien + Blood, dat för ju vergaten warrd, de Sünden to vergeben. Doot dat. Wenn ji dat drinken doot, denkt an mi: ik bün bi ju.


erstaunlich, wie diese bekannten texte, die durch die andere sprache (die man so halb noch versteht) verfremdet sind, sich ganz anders anfühlen. (ich finde, dass die emotionalität anders ist.) in meinem kopf ergibt sich nur ein verschwommenes bild von einem jesus, der platt schnackt.

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Der einzige Bezug zum Plattdeutschen besteht heute ja für viele jüngere Menschen über "Werner". Insofern ist es tatsächlich schwierig sich einen Platt schnackenden Jesus vorzustellen. Ich finde die Emotionalität der Sprache hat etwas furchtbar Unernstes. "Ik bün bi ju" klingt ein bisschen wie jemand, der spaßeshalber einen englisch radebrechenden Deutschen nachmachen möchte, oder?

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werner - ja, hilfe! "furchtbar unernst". jemand anderes: "ach, das ist ja soo süüss!" - das sind so wahrnehmungen von dieser sprache. wirklich erstaunlich. warum ist es so viel leichter vorstellbar, wenn jesus hochdeutsch spricht?

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ich muss da an meen Großmodder denken - die snackt manchmal auch ganz gern Platt, und vielleicht würde sie een solche Liturgie janz anners ansprechen doon als dat so ne normale "hoch"dütsche Sprache tun kann...
Als Pastor ist es sicher nicht schlecht, wenn man gerade aufm platten Land seinen Gemeindegliedern manchmal so eine Plattdeutsche Liturgie anbieten kann - für viele ist das sicher näher dran am Herzen. Für mich als Exil-Hamburgerin werden da jedenfalls ganz sehnsüchtig-vertraute Heimatgefühle wach. Zum Thema "Jesus spricht platt" kann ich den Jesus-Film empfehlen, den es in 750 Sprachen (oder so) und unter anderem auch in Platt gibt. Vgl. http://www.jesusfilm.org/languages/index.html . Plattdeutsch läuft dort unter dem Namen "Plautdietsch". Mit einer guten Internetverbindung (DSL) kann man sich den Film problemlos in einer kleinen Größe sofort ansehen... (mann muss sich höchstens vorher den Realplayer runterladen, falls man ihn noch nicht hat) Macht Spaß und ist auch eine nette Möglichkeit, sich den Klang verschiedener Sprachen anzuhören. In Tansania habe ich oft gehört, wie großartig es für die Leute ist, Jesus in ihrer Muttersprache reden zu hören - z.B. Massai. Da kommt eine ganz wichtige Botschaft rüber:
Er ist einer von uns!

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