Mittwoch, 1. November 2006
um eine sprachkultur zu pflegen
beisasse, 22:22h
an zwei studientagen brachte uns godehard joppich, der grosse gregorianikforscher, die bedeutung der neumen nahe. bevor die „melodien“ des sogenannten gregorianischen chorals notiert wurden, schrieb man nur die texte der gesänge auf, wobei darüber weitere zeichen angebracht wurden: die neumen, die nicht etwa den klangverlauf anzeigen, sondern quasi rhetorische angaben sind: welches wort soll betont werden? welche wörter sind behutsam oder bedeutsam etc. auszusprechen? wo soll ich zögern, wo schnell weiter gehen?
der bezug zur ruminatio ist offensichtlich. sich damit auseinander zu setzen, wie etwas sinnvoll gesprochen werden muss, ist die gemeinsame leitende frage. godehard joppich sagte uns, dass sein ganzes psalmenbuch voll sei mit zeichen, die ihn daran erinnern sollen, wie etwas „gesagt“ werden muss. man kann sich vielleicht vorstellen, dass damit der biblische text (der psalmen) wie ein text behandelt wird, den jemand wie ein schauspieler so vorbereitet, dass er wirklich „kunstvoll“ vorgetragen werden kann. und so fragte godehard joppich (sinngemäss): „sind wir das dem wort nicht schuldig, das wir heiliges wort nennen?“
wenn wir das „wort“ (gottes) so hoch schätzen, wie kann uns das gleichgültig sein, wie es „erklingt“, wie es neu aktiviert wird in einem klangleib, den der vorleser ihm zu geben hat?
ist es vielleicht eine gute anregung, mit einem bleistift in der hand einmal die schrift (und vielleicht vor allem die psalmen) zu lesen, laut zu lesen und zeichen zu erfinden, die uns erinnern sollen, bestimmte wörter so und so auszusprechen? wo wir leise, wo wir laut, wo wir zögernd, wo wir schneller etc. sprechen müssten?
gleichzeitig merke ich auch, wie wenig ich das sprechen kultiviere. oder eine sprachkultur. fragen:wann habe ich das letzte mal ein gedicht gelesen. oder gar auswendig gelernt, um es einmal vorzutragen? warum nicht einmal den johannesprolog auswendig lernen, um ihn vorzutragen. um das wort erneut fleisch werden zu hören ... was für gedichte lohnen sich, auswendig gelernt zu werden? muss mal meine freunde fragen. was für im gedächtnis gespeicherte dinge könnte ich in den papierkorb schieben, um platz für gedichte zu haben, die ich auswendig lernen will?
der bezug zur ruminatio ist offensichtlich. sich damit auseinander zu setzen, wie etwas sinnvoll gesprochen werden muss, ist die gemeinsame leitende frage. godehard joppich sagte uns, dass sein ganzes psalmenbuch voll sei mit zeichen, die ihn daran erinnern sollen, wie etwas „gesagt“ werden muss. man kann sich vielleicht vorstellen, dass damit der biblische text (der psalmen) wie ein text behandelt wird, den jemand wie ein schauspieler so vorbereitet, dass er wirklich „kunstvoll“ vorgetragen werden kann. und so fragte godehard joppich (sinngemäss): „sind wir das dem wort nicht schuldig, das wir heiliges wort nennen?“
wenn wir das „wort“ (gottes) so hoch schätzen, wie kann uns das gleichgültig sein, wie es „erklingt“, wie es neu aktiviert wird in einem klangleib, den der vorleser ihm zu geben hat?
ist es vielleicht eine gute anregung, mit einem bleistift in der hand einmal die schrift (und vielleicht vor allem die psalmen) zu lesen, laut zu lesen und zeichen zu erfinden, die uns erinnern sollen, bestimmte wörter so und so auszusprechen? wo wir leise, wo wir laut, wo wir zögernd, wo wir schneller etc. sprechen müssten?
gleichzeitig merke ich auch, wie wenig ich das sprechen kultiviere. oder eine sprachkultur. fragen:
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